Interview mit helfen.berlin/ Regional Hero

Helfen.Berlin ist eine Non-Profit-Plattform, die zu Beginn des ersten COVID-19 Lockdowns aus der Notlage heraus als Unterstützung für Ladenbesitzer quasi über Nacht auf die Beine gestellt wurde. Auf der Seite helfen.berlin kann man Gutscheine für die eignen Lieblingsorte kaufen: Vom Lieblingsbäcker und der Lieblingskneipe um die Ecke bis hin zu Restaurants, Kinos, Klamottenläden oder selbst dem Lieblingschiropraktiker ist alles vertreten. Da sich das Büro der Initiative unweit des Augustekiezes befindet, nahmen wir das als Anlass, um mit einem der Gründer über Entstehung und Entwicklung des Projektes zu sprechen.

Wie entstand das Projekt?

Die drei befreundeten Gründer haben enge Kontakte zur Gastronomieszene. Zu Beginn der Krise wurde schnell deutlich, dass der Lockdown die Gastronom:innen besonders hart trifft, sie ohne Einnahmen nicht lange überleben können. Dieser Notlage entsprang die Idee, den bekannten 10 bis 15 Gastronomiebetrieben mit einer Gutscheinplattform kurzfristig unter die Arme zu greifen. Die Idee kam unerwartet so gut an, dass nach 3 Wochen bereits 2.500 Läden mitmachten und das Medienecho war enorm:

„Das war natürlich schön, dass wir so viele ehrenamtliche Helfer bekamen, das war schon sehr beeindruckend. Weil man redet ja gern über den Trend, dass die Leute sich für lokal interessieren. Ich glaube helfen.berlin, mit den ganzen Käufern und den Lieblingsorten, aber auch mit unseren Helfern, die sich da zusammen getan haben und das Projekt getragen haben, da hat man gesehen, dass dieser Trend nicht nur einer ist, der wieder vergeht, sondern dass da wirklich etwas hinter steht. Dass man wirklich sieht: das ist ein klares Beispiel, dass lokal wichtig ist, dass die Orte vor Ort wichtig sind, dass die unser Leben bestimmen und die Qualität in der Region darstellen. Das hat uns gezeigt, dass diese Läden unser Leben schöner und besser machen und der Grund sind, warum wir hier leben. Deswegen ist es den Leuten so wichtig gewesen zu helfen.“

Obwohl die Gefahr bestand, dass Käufer im Falle einer Insolvenz ihr Geld verloren und Gutscheine dann nicht mehr eingelöst oder zurückerstattet bekommen hätten, nahm die Plattform am Ende des ersten Lockdowns über 1,5 Millionen Euro ein.

Und jetzt..?

Nach dem ersten Lockdown bekamen die drei viel Zuspruch. Deswegen setzten sie sich zusammen und überlegten wie sie das Projekt über die COVID-19 Pandemie hinaus fortführen können. helfen.berlin sollte non-profit Plattform bleiben, aber es brauchte eine nachhaltige Lösung, mit der sich das Projekt auch langfristig trägt:

„Da war der Gedankengang, helfen.berlin lief unter dem Motto „alle für einen“, das heißt alle konnten für einen einen Gutschein kaufen. Und da kam schnell der Gedanke auf „okay, jetzt drehen wir den ganzen Spieß um“ und sagen „eine für alle“: wenn wir ein Unternehmen gründen, machen wir eine Netzwerkkarte, die B-Karte, für alle.“

Bei der B-Card ist es nicht mehr so, dass man einen Gutschein kauft, der fest an einen Laden gebunden ist, sondern bei der B-Card handelt es sich um eine allgemeine Guthabenkarte, mit der man den jeweiligen, dort verbuchten Betrag bei allen teilnehmenden Geschäften ausgeben kann. Zur B-Card gibt es eine App, in der man alle Läden findet. „Man hat darin auch eine kleine Karte, wo man unterwegs sieht, welche Lieblingsorte mitmachen. Wir hoffen sehr, dass die Leute das für eine Entdeckungsreise durch den Kiez nutzen. Wenn du zum Beispiel in Friedrichshain bist und die App aufmachst, dann kannst du auf die Läden raufklicken und bekommst eine kleine Info zum Laden.“ Ziel ist, das Geld langfristig in der Region zu halten und kleine Berliner Läden sichtbarer zu machen. In der Zukunft soll es über die App außerdem Möglichkeiten geben, dass lokale Läden mit ihren Kund:innen durch kiezbezogene Gruppen kommunizieren können, indem sie z.B. tagesaktuelle Angebote posten.

Wie ist denn aktuell die Stimmung unter den Gewerbetreibenden?

„Wir haben ein enges Ohr an den Einzelhändlern und an der Gastronomie, die uns ihr ganzes Leid mitteilen. Wir haben viele Tränen vergossen, weil wir viele Stories gehört haben, die wirklich wehgetan haben, wo auch viel Verzweiflung dabei war.“  Zwar gibt es unter den teilnehmenden Geschäften vereinzelt bereits Insolvenzen.

„Zum Glück waren es noch nicht so viele, aber es gibt schon E-Mails, in denen steht „Leute, wir müssen uns leider abmelden, weil wir sind nicht mehr da“. Ich will gar nicht den Teufel an die Wand malen, aber die Stadt wird sich nach dieser Krise deutlich verändert haben. Einige werden nicht mehr da sein, das ist die Realität. Aber wir hören eben auch gute Geschichten mit der B-Card und den Einzelgutscheinen.“

Über die Plattform helfen.berlin können also weiterhin Gutscheine für die Lieblingsläden gekauft werden und über die letzten Monate konnte die Initiative so direkte Unterstützung leisten: „Als klar wurde, dass der Lockdown sich verlängert, wurden auch vermehrt wieder Einzelgutscheine geholt.“ Der Betrag wird den Unternehmen dann direkt weitergeleitet. Es gibt einige Läden, bei denen die Gutscheine mittlerweile online oder per click und collect eingelöst werden können, das hängt aber von den Läden ab.

Was muss ich als Ladenbesitzer beachten, wenn ich mitmachen möchte?

„Also grundsätzlich ist es so, dass man sich nur mit seinem Unternehmensnamen registrieren muss. Man bekommt dann von uns einen Zugang zu unserem Regiohub, das ist eine Oberfläche, wo man seine Filiale anlegen kann, wo man das Foto reinstellen kann. Wo die Informationen zum Laden hinterlegt werden. Dabei unterstützen wir aber auch. Das geht in der Regel ganz schnell.“

Mehr Informationen zu helfen.berlin und der B-Card finden Sie auf: helfen-shop.berlin

Bildquelle (Bild auf der Übersichtsseite): https://das-b-card.de/, Bildrecht: Regional Hero GmbH